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Lukas Scheja ist Schauspieler, Regisseur und künstlerischer Leiter des Artrium Hamburg. Mit 35 Jahren Bühnenerfahrung und internationaler Schauspielausbildung in Hamburg, Rom, New York und Los Angeles begleitet er Schauspieler:innen auf ihrem Weg zu nachhaltigen Karrieren in Bühne und Film.
Veröffentlicht am:
25. Juni 2026
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In den Aufnahmeräumen der Schauspielschulen sitzt ein bekanntes Bild. Viele junge Frauen, gut vorbereitet, mit Text im Kopf und einem klaren Wunsch. Und dazwischen, deutlich seltener, ein junger Mann.

Das ist seit Jahren so. An den Hochschulen für darstellende Kunst sind rund zwei Drittel der Absolventinnen weiblich. Auf die wenigen Studienplätze, oft acht bis vierundzwanzig pro Jahrgang, kommen regelmäßig über tausend Bewerbungen. Der Andrang ist groß. Bei den Frauen ist er größer.

Dann kommt der Beruf. Und der Beruf rechnet anders.

Auf der Bühne kippt das Verhältnis

Wer sich die Ensembles deutscher Stadttheater ansieht, findet eine andere Verteilung als in den Aufnahmeräumen. Im Schnitt besteht ein festes Ensemble aus etwa zwei Dritteln Männern und einem Drittel Frauen. Je nach Haus liegt das Verhältnis zwischen drei zu zwei und drei zu eins, zugunsten der männlichen Rollen.

Das hat einen einfachen Grund. Der klassische Spielplan ist voll von Männerfiguren. Könige, Söhne, Brüder, Schurken, Väter. Viele dieser Rollen wollen besetzt werden, Abend für Abend, Produktion für Produktion. Die Bühne fragt nach Männern, die spielen können.

Die Ausbildung schickt weniger los, als die Bühne ruft.

Im Film ist die Lücke noch größer

Vor der Kamera verschärft sich das Muster. Internationale Auswertungen der erfolgreichsten Filme zeigen seit Jahren eine stabile Zahl: rund drei von vier Hauptrollen sind männlich, etwa eine von vier weiblich. Zählt man alle Sprechrollen, liegt der Männeranteil bei knapp siebzig Prozent.

Das ist kein deutsches Phänomen. Die Daten kommen aus Hollywood, aus der Forschung der University of Southern California, und sie decken sich mit dem, was deutsche Produktionen besetzen. Film und Fernsehen erzählen noch immer überwiegend von Männern.

Theater und Film unterscheiden sich im Grad. Die Richtung ist bei beiden dieselbe. Beide Felder halten mehr Rollen für Männer bereit, der Film noch ausgeprägter als die Bühne.

Was das für einen jungen Mann bedeutet

Hier lohnt der nüchterne Blick. Wenn viele Rollen männlich sind und sich vergleichsweise wenige Männer ausbilden lassen, dann steht ein junger Mann am Anfang vor einem offenen Feld. Weniger Konkurrenz im eigenen Fach. Mehr Figuren, die auf jemanden warten, der sie füllt.

Das ist kein Versprechen. Talent entscheidet, Arbeit entscheidet, der Mut zur eigenen Wahrheit auf der Bühne entscheidet. Eine Zahl nimmt dir nichts davon ab. Sie sagt dir nur, dass der Markt, in den du gehst, dich tatsächlich braucht.

Viele junge Männer hören diesen Ruf nie. Schauspiel gilt ihnen als Umweg, als brotlos, als etwas für andere. Sie entscheiden sich früh dagegen, oft ohne es je probiert zu haben.

Wovon der Schritt wirklich abhängt

Schauspieler werden beginnt mit einer Situation, in der du etwas spürst, das vorher nicht da war. Ein Satz, der dich trifft. Ein Moment, in dem die Figur dich trägt und du sie.

Genau dort entscheidet sich, ob dieser Weg deiner ist. Dein Körper weiß es früher als dein Kopf. Du merkst es, oder du merkst es nicht.

Die Zahlen sind nur der Rahmen. Sie öffnen die Tür ein Stück weiter, als du vielleicht dachtest. Durch sie gehen musst du selbst.

Wenn du wissen willst, wie sich das anfühlt, komm vorbei und probier es aus. Ein Gasttag bei uns im Artrium zeigt dir mehr als jede Tabelle. Du stehst im Raum, du arbeitest an einer Szene, du erlebst, was dein Spiel mit dir macht. Danach weißt du mehr über dich als vorher.

Erzähl uns, was dich umtreibt. Den Anfang machst du mit einem einzigen Tag.

Arbeiten. Vertiefen. Ausprobieren.

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