Staatlich oder privat: welche Schauspielschule passt zu dir?
Du fragst dich, ob staatlich oder privat. Ob du den Druck einer 1-zu-50-Aufnahme tragen willst, oder einen Weg suchst, bei dem nicht die Aufnahmequote über dein Talent entscheidet. Beide Wege führen ans Ziel. Diese Seite gibt dir die Fakten, damit du selbst weißt, welcher zu dir passt.
Ist eine staatliche Schauspielschule die bessere Wahl als eine private Schauspiel- ausbildung?
Du stehst vor einer Entscheidung, die deine Schauspielausbildung prägen wird. Staatlich oder privat? Beide Wege haben ihre Stärken. Beide Wege haben ihre Grenzen. Welcher zu dir passt, hängt von dir ab, von deinem Profil, von deiner Lebenssituation. Diese Seite gibt dir die Fakten, damit du die Entscheidung mit klarem Kopf treffen kannst.
Was unterscheidet staatlich und privat überhaupt?
Staatliche Schauspielschulen sind Hochschulen oder Universitäten, getragen vom jeweiligen Bundesland oder einer Stadt. Sie sind kostenfrei, hochselektiv und tief in den deutschen Theater- und Hochschulbetrieb eingebunden.
Private Schauspielschulen sind Berufsfachschulen, kostenpflichtig und finanziell unabhängig. Sie arbeiten mit eigenen Lehrplänen, eigenen Aufnahmekriterien und in der Regel mit kleineren Gruppen.
Staatliche Schauspielschulen in Deutschland: alle Hochschulen im Überblick
In Deutschland gibt es 14 Hochschulen und Berufsfachschulen mit staatlicher oder städtischer Trägerschaft, die eine Schauspielausbildung anbieten. Die meisten sind in der Ständigen Konferenz Schauspielausbildung organisiert und stimmen ihre Lehrpläne untereinander ab.
- Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch, Berlin
- Universität der Künste, Berlin
- Folkwang Universität der Künste, Essen, mit dem Schauspielstudium am Standort Bochum
- Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, Frankfurt am Main
- Hochschule für Musik und Theater Hamburg, mit der Theaterakademie Hamburg
- Hochschule für Musik, Theater und Medien, Hannover
- Hochschule für Musik und Theater Felix Mendelssohn Bartholdy, Leipzig
- Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg, Ludwigsburg
- Hochschule für Musik und Theater München
- Bayerische Theaterakademie August Everding, München
- Otto-Falckenberg-Schule München, städtische Berufsfachschule an den Münchner Kammerspielen
- Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf, Potsdam
- Hochschule für Musik und Theater Rostock
- Staatliche Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, Stuttgart
Insgesamt stehen pro Jahr rund 300 Studienplätze zur Verfügung. Auf diese Plätze bewerben sich jährlich über 5.000 Interessierte. Pro Schule liegt die Aufnahme bei etwa 8 bis 24 Studierenden bei mehr als 1.000 Bewerbungen. Die Aufnahmequote insgesamt liegt bei rund 6 Prozent.
Wenn du planst, dich an einer staatlichen Schauspielschule zu bewerben, dann interessiert dich vielleicht unser Vorbereitungssemester für die Aufnahmeprüfung für die Staatliche Schauspielschule.
Wo haben Schauspieler:innen an deutschen Theatern ihre Ausbildung gemacht?
Eine Studie des Verbands deutschsprachiger privater Schauspielschulen (VdpS) aus der Spielzeit 2017/18 hat untersucht, woher die Schauspieler:innen an deutschen Theatern kommen. Von 4.948 Schauspieler:innen, deren Ausbildungsweg recherchiert werden konnte, hatten 62 Prozent ihre Ausbildung an einer staatlichen Schauspielschule absolviert und 31 Prozent an einer privaten Schauspielschule oder durch privaten Unterricht.
In Zahlen: rund zwei Drittel kommen aus staatlichen Häusern, rund ein Drittel aus privaten. Beide Wege führen in den Beruf. Quelle: vdps.info
Was eine private Schauspielausbildung anders macht
Private Schauspielschulen wie das Artrium arbeiten mit anderen Voraussetzungen als staatliche Hochschulen. Daraus ergeben sich konkrete Unterschiede:
- kleinere Gruppen, weil die Aufnahmequote nicht durch staatliche Vorgaben gedeckelt ist
- Einstieg auch während des laufenden Semesters möglich, nicht nur einmal im Jahr nach harter Auswahl
- individuelle Talent-Auswahl statt zentralem Numerus Clausus
- Probewoche oder Workshop als Einstieg, statt einer einzigen Vorsprech-Situation, die unter hohem Druck steht
- Ensemblearbeit von Tag eins, nicht erst nach mehrjährigem Grundstudium
- finanzielle Unabhängigkeit von Hochschulgremien, dadurch flexible Lehrpläne und schnellere Anpassung an aktuelle Anforderungen aus Theater und Film
Kontakte zu Theater, Film und Fernsehen
Staatliche Schauspielschulen haben oft eine enge Anbindung an Theater und eine automatisierte Aufnahme in die ZAV, die Künstlervermittlung der Bundesagentur für Arbeit. Auch an guten privaten Schauspielschulen entstehen viele Möglichkeiten, Kontakte zu knüpfen.
Im Artrium arbeiten beispielsweise über 50 Prozent der Auszubildenden bereits während der Ausbildungszeit in kleineren Sprechrollen, etwa an den großen Bühnen Hamburgs, oder werden an andere Theater, in Filme und ans Fernsehen vermittelt. Unsere Schauspieler:innen werden nach Vorsprechen ebenfalls in die ZAV aufgenommen und entsprechend in eine Karriere vermittelt.
Zusätzlich gibt es an privaten Schauspielschulen oft Kooperationen mit anderen branchenrelevanten Ausbildungen und kunstaffinen Instituten. In den Ausbildungen werden Schauspieler:innen gezielt auf die Anforderungen des Marktes vorbereitet: Freiberuflichkeit, Agenturfindung, Castings, Marketing.
Sind private Schauspiel-Ausbildungen konkurrenzfähig mit staatlichen Hochschulen?
Ja. Die VdpS-Studie zeigt, dass private Schauspielausbildungen eine ernstzunehmende Größe für die Ausbildung von Nachwuchs an deutschen Theatern sind. Das Vorurteil, dass private Ausbildungen grundsätzlich schlechter und weniger erfolgreich seien als staatliche, hat die Studie nicht bestätigt.
In der darstellenden Kunst kommt es vor allem auf die künstlerische Persönlichkeit an. Wer qualitativ hochwertig arbeitet, hat am Markt die besseren Chancen. Vermittelt wird über Vorsprechen. Sind diese überzeugend und passt das Profil zur Rolle, ist die Ausbildungsform meist sekundär.
Wie sieht es bei Solo-Selbstständigen aus?
Schauspiel findet nicht nur auf Bühnen und in Festanstellung statt. Laut Mikrozensus waren in Deutschland 2019 rund 15.040 Personen als Schauspieler:innen erwerbstätig, davon 68 Prozent in Vollzeit. 62 Prozent der Schauspieler:innen waren soloselbstständig tätig, also nicht an einer Bühne angestellt. Stichproben legen nahe, dass der Anteil der an privaten Schulen ausgebildeten Schauspieler:innen unter den Soloselbstständigen höher ist als der Anteil derer, die an staatlichen Schulen ausgebildet wurden. Soloselbstständige Schauspieler:innen in Vollzeit bestreiten ihren Lebensunterhalt überwiegend aus ihrer künstlerischen Tätigkeit.
Die Frage hinter der Frage: Wo passt du hin?
Beide Ausbildungsformen können dich zu einem überzeugenden Schauspielberuf führen. Welche zu dir passt, hängt von deinem Profil ab.
Eine staatliche Schauspielschule ist gut für dich, wenn du Wert auf Renommee und Kostenfreiheit legst, das Risiko der hochselektiven Aufnahme tragen kannst und bereit bist, gegebenenfalls mehrfach zu bewerben.
Eine private Schauspielausbildung ist gut für dich, wenn du in kleineren Gruppen arbeiten willst, wenn du jederzeit einsteigen können möchtest, statt auf den nächsten Aufnahmetermin zu warten, oder wenn du ein Profil hast, das nicht in das enge Raster staatlicher Aufnahmeprüfungen passt.
Niemand muss sich zwischen beiden Wegen so früh entscheiden, dass es einen Schaden anrichtet. Erst erleben, dann entscheiden ist auch hier ein guter Maßstab.
Du möchtest dich für die Aufnahmeprüfung an einer staatlichen Schauspielschule vorbereiten?
Am Artrium gibt es ein sechsmonatiges Vorbereitungssemester genau dafür. Du trainierst alle Fächer, die in den Prüfungsrunden eine Rolle spielen – Schauspiel, Phonetik, Gesang, Bewegung und Improvisation. Direkt im Ensemble, mit ehrlichem Feedback. Alles dazu findest du hier: Aufnahmeprüfung staatliche Schauspielschule vorbereiten
Übrigens: Aufnahmeprüfung sparen
Wer am Artrium die Probewoche oder den Schauspiel-Workshop besucht und dort eine Ausbildungsempfehlung erhält, ist direkt für die Ausbildung aufgenommen. Eine separate Aufnahmeprüfung entfällt dann. Du erlebst zuerst, ob es passt, und entscheidest dann. Wenn du erst einmal für einen Tag reinschnuppern möchtest, ist unser Gasttag vielleicht genau das Richtige für dich.
Schritte in die Ausbildung.
Deine Wege ins Artrium
Kostenloser Gasttag
Erlebe einen ganzen Tag im echten Ausbildungsalltag.
Probewoche
Eine ganze Woche Schauspielausbildung im Artrium für Interessierte.
Abendkurs
Wöchentliches Schauspieltraining für ambitionierte Einsteiger:innen.
Schauspiel-Workshop
Erforsche dein Potenzial und lerne es professionell einzusetzen.
Film-Workshop
Arbeite vor der Kamera und entwickle dein Spiel fürs Filmformat.
Berufsbegleitend
Berufsbegleitende Ausbildung zur zertifizierten Bühnen- und Filmreife.
FAQ
Fragen &
Antworten
Ist eine private Schauspielausbildung anerkannt?
Ja. Eine private Schauspielausbildung ist Branchenweit akzeptiert. Bei der Wahl deiner privaten Schauspielschule lohnt es sich, gezielt nach dem Status der BAföG-Förderfähigkeit zu fragen. Eine Ausbildung im Artrium ist selbstverständlich BAföG-förderfähig.
Bekomme ich BAföG für eine private Schauspielausbildung?
An staatlich anerkannten privaten Schauspielschulen ist BAföG möglich. Schüler-BAföG kann bis zu 822 Euro pro Monat betragen und muss nicht zurückgezahlt werden. Das ist ein Vorteil gegenüber dem Studium an staatlichen Hochschulen, wo BAföG zur Hälfte als zinsloses Darlehen zurückgezahlt werden muss. Den genauen Anspruch berechnet das BAföG-Amt anhand deines Einkommens und des deiner Eltern. Am Artrium ist BAföG für die Ausbildung beantragbar.
Was kostet eine private Schauspielausbildung im Schnitt?
Die monatlichen Gebühren bewegen sich bundesweit etwa zwischen 350 und 670 Euro, abhängig von Schule, Format und Ausbildungsjahr. Dazu kommen je nach Anbieter Aufnahmegebühren oder Materialkosten. Die genauen Konditionen am Artrium findest du auf der Bewerbungsseite oder erfährst sie im persönlichen Gespräch.
Brauche ich Abitur für eine Schauspielausbildung?
Nein. Weder staatliche noch private Schauspielschulen verlangen das Abitur. Was zählt, ist die künstlerische Eignung, die im Aufnahmeverfahren festgestellt wird. Manche Schulen erwarten einen mittleren Schulabschluss als formale Voraussetzung. Eine Hochschulreife ist nirgends Pflicht.
Kann ich mit einer privaten Schauspielausbildung an staatlichen Theatern arbeiten?
Ja. Laut der Studie des Verbands deutschsprachiger privater Schauspielschulen kommen rund 31 Prozent der an deutschen Theatern beschäftigten Schauspieler:innen aus privaten Ausbildungen. Vermittelt wird über Vorsprechen. Wer im Vorsprechen überzeugt und dessen Profil zur Rolle passt, wird besetzt, unabhängig von der Ausbildungsform. Die Aufnahme in die Künstlervermittlung der Bundesagentur für Arbeit (ZAV) steht beiden Wegen offen.
