Gute Schauspieler:innen arbeiten hart an ihrem Handwerk. Und trotzdem gibt es Momente auf der Bühne, die nicht ganz zünden. Nicht wegen mangelnder Technik. Sondern wegen etwas, das sich schwerer greifen lässt.
Der Moment, den jedes Publikum kennt
Es gibt diesen Moment im Theater oder im Kino, den fast jeder kennt. Man sitzt inmitten der Geschichte, ist dabei und dann ist man es plötzlich nicht mehr. Irgendetwas hat einen rausgeworfen. Die Szene war technisch einwandfrei, der Text saß, die Bewegung stimmte. Und trotzdem!
Was in diesem Moment passiert ist, lässt sich für ein normales Publikum schwer erkennen, noch schwerer benennen. Es passiert zuverlässig, eindeutig und das Publikum empfindet es jedes Mal.
Das Handwerk ist nicht das Problem
Wer eine Schauspielausbildung durchläuft, lernt Technik. Sprechen, Bewegen, Resonieren und Präsenz aufbauen. All das ist notwendig und lernbar und Technik allein beantwortet eine Frage dennoch nicht: Wer ist die Person, die da oben steht?
Jeder Mensch entwickelt im Laufe seines Lebens eine Version von sich selbst. Eine Art (innere) Konstruktion, die hilft, mit der Welt klarzukommen. Diese Konstruktion ist zumeist nicht bewusst gewählt, sie entsteht einfach. Sie ist so tief verankert, dass sie automatisch mit auf die Bühne kommt. In jede Figur, in jede Szene, in jeden Moment.
Das Publikum sieht dann nicht die Figur. Es sieht die Person hinter der Figur und merkt, wenn diese Person sich versteckt.
Was echte Ausbildung leisten muss
Technik kann man trainieren. Was schwieriger ist: die eigenen Konstruktionen zu erkennen und sie nicht länger als die einzig mögliche Wahrheit zu behaupten.
Stell dir vor: Ein Familienmitglied liegt im Krankenhaus. Abends ist Vorstellung. Das Leben hört nicht auf, nur weil man auf der Bühne steht, und die Gefühle, die man mitbringt, verschwinden nicht hinter dem Vorhang. Sorge, Angst, Erschöpfung. Die Frage ist nicht, ob man sie hat. Die Frage ist, was man mit ihnen macht.
Empfindungen in Wandlungen erleben, anstatt diese zu unterdrücken
Schauspieler die gelernt haben, mit ihrer emphatischen Situation umzugehen, brauchen diese nicht unterdrücken bzw. auszugrenzen. Es kann sie verwandeln, in eine Szene und deren Figuren. Das ist kein Trick. Das ist Handwerk auf einer Ebene, die über Technik hinausgeht.
Es geht darum zu verstehen, dass Empfindungen, die man irgendwann gelernt hat zu kontrollieren oder zu verstecken, auf der Bühne fehlen. Nicht als persönliches Versagen, sondern als Material, das noch nicht zugänglich ist.
Eine Ausbildung, die nur an der Oberfläche arbeitet, lässt dieses Material unangetastet. Das Ergebnis ist ein Schauspiel das funktioniert, so jedoch nicht berühren kann.
Was am Artrium anders ist
Im Artrium gehört die Arbeit an dieser tieferen Schichten einer Situation in Stücken zum Kern der Ausbildung. Nicht als Zusatz, nicht als optionales Seminar, sondern als Grundlage. Die Überzeugung dahinter ist einfach: Wer nicht weiß, was er selbst mit sich trägt, kann es auf der Bühne nicht loslassen. Und wer es nicht loslassen kann, spielt dies und damit sich selbst, auch wenn er behauptet,eine völlig andere Figur zu sein.
Das Publikum merkt das. Immer. Eine Situation ist viel stärker als ein Mensch möglicherweise sein kann.



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