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Lukas Scheja ist Schauspieler, Regisseur und künstlerischer Leiter des Artrium Hamburg. Mit 35 Jahren Bühnenerfahrung und internationaler Schauspielausbildung in Hamburg, Rom, New York und Los Angeles begleitet er Schauspieler:innen auf ihrem Weg zu nachhaltigen Karrieren in Bühne und Film.
Veröffentlicht am:
15. Mai 2026
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Es gibt Momente auf der Bühne, die sich nicht erklären lassen. Die Figur spricht, die Technik sitzt. Und trotzdem passiert etwas, das über das Gesagte hinausgeht. Etwas, das man im Zuschauerraum spürt, ohne es benennen zu können.

Nicht jede Wahrheit kommt durch Worte. Manche Dinge trägt der Körper weiter, wenn die Sprache aufgehört hat. Wer das wirklich verstanden hat, arbeitet anders. Stela Korljan arbeitet genau so.

Von Sarajevo nach Hamburg: eine Künstlerin zwischen den Kulturen

Stela Korljan ist 1959 in Sarajevo geboren. Schon während ihrer Schulzeit besuchte sie dort die Ballettschule. Nach dem Abitur erhielt sie ein Stipendium für einen Aufenthalt in den USA. In Los Angeles setzte sie ihre Tanzausbildung fort.

Was dann folgt, überrascht: Sie studierte zunächst Journalistik an der Universität Sarajevo. Erst danach, in Deutschland, wechselte sie zur Choreografie. An der Hochschule für Musik und Theater Leipzig studierte sie bei Professor Uwe Scholz und schloss ihr Studium mit sehr gutem Prädikat ab.

Diese Kombination aus Sprache und Bewegung, aus Journalistik und Choreografie, zieht sich durch ihr gesamtes Werk. Sie beobachtet genau. Sie formuliert präzise. Nur eben nicht mit Worten.

Ihre Karriere führte sie durch Europa. Als Solotänzerin war sie am Nationaltheater Sarajevo engagiert, später am Staatstheater Braunschweig und an den Bühnen der Stadt Gera/Altenburg. Als Gastchoreografin arbeitete sie an der Semperoper Dresden. Von 2000 bis 2010 leitete sie als Ballettdirektorin und Chefchoreografin die Ballettcompagnie des Schleswig-Holsteinischen Landestheaters.

Dort machte sie sich mit Arbeiten bekannt, die davor nicht viele erwartet hätten. Ihre Rockballette „Dark Side of…“, „Einstürzende Neubauten“ und „(Ba)Rock“ zogen junges Publikum in ein Haus, das dafür nicht unbedingt bekannt war. Gleichzeitig arbeitete sie große literarische Stoffe auf die Bühne: „Peer Gynt“, „Lear“ und „Fragmente und Staub“ nach Ovids Metamorphosen. Die Kritik folgte ihr. Das Publikum auch.

Ihr Community-Projekt „Ohne Grenzen“ löste eine Welle der Tanzbegeisterung in Flensburg und der Region aus. 2019 erhielt sie dafür den Kulturpreis der Stadt Flensburg.

Seit 2010 ist Korljan freischaffend tätig. Mit der NoBordersCompany schafft sie interkulturelle Projekte, die Tanz, Theater und gesellschaftlichen Diskurs verbinden. Von Hamburg bis Kopenhagen.

Ein Choreo-Drama gegen das Vergessen

Mit dem Ensemble der Schauspielschule Artrium Hamburg hat Korljan das Choreo-Drama „Du, weißt du wie der Regen weint?“ entwickelt. Ein Stück gegen das Vergessen.

Die Frage dahinter ist einfach und geht tief: Was bleibt, wenn Sprache versagt? Was trägt der Körper weiter, wenn das Gedächtnis schweigt? Wie erinnern wir uns an das, worüber wir nicht sprechen können?

Diese Fragen sind nicht akademisch gemeint. Sie wollen auf der Bühne gestellt werden, mit Körpern, die etwas riskieren. Das Ensemble hat das getan. In echter Arbeit, nicht in einem Workshop am Rand des Lehrplans.

Stela Korljan bringt ihre künstlerische Praxis direkt in die Arbeit mit den Schauspielerinnen und Schauspielern. Keine Theorie, die erklärt, wie das gehen könnte. Sondern die Erfahrung selbst. Der Prozess des Stücks ist der Unterricht. Und das Publikum, das am Ende dabei war, hat gespürt: Das hier ist echt.

Tanztheater und Schauspiel sprechen dieselbe Sprache

Tanztheater und Schauspiel werden im Kulturbetrieb häufig getrennt behandelt. Unterschiedliche Ausbildungswege, unterschiedliche Institutionen, unterschiedliche Förderlogiken. In der Praxis stimmt diese Trennung nicht.

Beide kommen aus derselben Wurzel. Der Körper ist das erste Instrument. Er erinnert, bevor das Wort kommt. Er trägt Geschichte, bevor sie erzählt wird.

Jeder Mensch trägt eine eigene Geschichte mit auf die Bühne. Eine Art innere Konstruktion, die hilft, mit der Welt klarzukommen. Diese Konstruktion ist zumeist nicht bewusst gewählt. Sie entsteht einfach. Und sie kommt automatisch in jede Figur, in jede Szene, in jeden Moment mit.

Das Publikum sieht dann nicht die Figur. Es sieht die Person hinter der Figur. Und es merkt, wenn diese Person sich versteckt.

Korljans Arbeit macht das sichtbar. Ihre Projekte fragen nicht, wie man eine Figur zeigt. Sie fragen, wer die Person ist, die sie zeigt. Das ist eine andere, tiefere Frage. Und sie ist dieselbe, die im Artrium zur Grundlage der Ausbildung gehört.

Das Publikum merkt das. Immer.

Was eine Schauspielausbildung in Hamburg wirklich leisten kann

Im Artrium ist diese Art von Arbeit kein Sonderfall. Kein optionales Seminar, das man buchen kann, wenn es passt. Sie ist der Kern.

Die Schauspielausbildung in Hamburg am Artrium versteht Körperarbeit als Grundlage, nicht als Spezialgebiet. Wer hier trainiert, lernt nicht nur Technik. Technik allein beantwortet eine entscheidende Frage nicht: Wer ist die Person, die da oben steht?

Dozentinnen und Dozenten wie Stela Korljan bringen ihre eigene Praxis direkt in den Unterricht. Das Ensemble arbeitet mit Menschen, die ihre Kunst nicht erklären. Sie machen sie. Das ist ein Unterschied, den man fühlt.

Absolventen des Artriums haben am Schauspielhaus Hamburg gespielt, am Thalia Theater, bei den Salzburger Festspielen. Nicht weil das Artrium ein besonderes Versprechen macht. Sondern weil hier wirklich gearbeitet wird.

Wenn du mehr erleben möchtest

Du weißt nicht, ob eine Schauspielausbildung etwas für dich ist? Das ist kein Hindernis. Das ist der Anfang.

Fast alle, die heute im Artrium ausgebildet werden, haben sich dieselbe Frage gestellt. Und fast alle haben denselben ersten Schritt gemacht: Sie sind einfach mal vorbeigekommen.

Beim Gasttag erlebst du echten Unterricht. Du arbeitest mit dem Ensemble, lernst die Dozentinnen und Dozenten kennen und bekommst ein Gefühl dafür, was hier täglich passiert. Keine Verpflichtung. Erst erleben, dann entscheiden. Das ist alles, was du brauchst.

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